Meine Panik ist ein Poltergeist.

Mal ist sie größer als die schwankenden Bäume hinter meinem Haus, mal ist sie so klein, dass sie in die geballte Faust in meiner Jackentasche passt. Mal sitzt sie mir auf den Schultern und hält mir die Augen zu, zieht mir an den Haaren und leckt mir die salzigen Spuren von den Wangen.

Meine Panik sitzt neben mir, wenn ich Auto fahre. Meine Panik schiebt meinen Einkaufswagen. Meine Panik ist der dichte Pulk von Menschen. Meine Panik lauert in Räumen ohne Fenster. Meine Panik schwingt das Lasso. Meine Panik stößt mich von der Klippe und reicht mir dann die rettende Hand. Meine Panik hat mich zum Tanzen aufgefordert und mir bluten die Füße.

Sie war irgendwann da und hat es sich bequem gemacht. Ich habe sie nicht eingeladen. Geht bestimmt bald wieder, dachte ich. Hat sich bestimmt verlaufen, dachte ich. Wird schon nicht so schlimm, dachte ich.

Monate später haben wir uns arrangiert, meine Panik und ich. Wir haben uns kennengelernt, wissen nun, wie wir miteinander umgehen können, schenken uns nichts, aber spielen fair.

Ich bin ein Teil von dir, säuselt, zischt, flüstert, schnurrt, brüllt, wispert, fleht sie.

Aber du machst mich nicht aus, erwidere ich und wende ihr den Rücken zu.

Meine Panik hält ein Messer in der Hand.

Und ich reiche ihr den Kuchen.

Für mich gibt es keine Heilung nach Lehrbuch, kein Medikament. Meine Panik ist kein Tumor, den man rausschneiden kann. Aber ich kann lernen, mit ihr zu leben und ihr keine Macht über mich zu geben.

Das ist nicht einfach, ach, was sage ich – es ist scheiße und es stinkt und kotzt leise in die Ecke; aber Schreiben hilft.

Meine Panik ist die Tinte in den Zeilen und sie findet hier ihren Platz.


Ich teile auf meinem Blog nur meine Erfahrungen in unregelmäßigen Abständen und maße mir nicht an, Expertin zu diesem Thema zu sein. Wenn du dich zwischen den Zeilen wiedererkennst, empfehle ich dir (wenn nicht schon geschehen) dich jemandem anzuvertrauen und dir professionelle Hilfe zu suchen. Das kann für den ersten Anlauf der Hausarzt sein, es kann eine anonyme Beratungsstelle sein, ein guter Freund, schreib mir eine Mail, womit du dich am sichersten fühlt. Mach dir bewusst, dass du so nicht leben musst und dass du nicht alleine bist. Alles wird gut!

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